Das europäische Bezahlsystem Wero gewinnt zwei bekannte Handelspartner: Seit Kurzem kannst du deine Onlinebestellungen bei Decathlon und Lidl direkt per Banking-App vom Girokonto bezahlen. Für die von europäischen Banken und Zahlungsdienstleistern getragene Lösung ist das ein wichtiger Schritt zu mehr Sichtbarkeit im Alltag. Der nächste Schritt soll an die Ladenkassen führen.
Wero gewinnt im deutschen Onlinehandel weiter an Bedeutung. Den Anfang machte Decathlon: Seit dem 20. Juli 2026 lässt sich im deutschen Onlineshop mit Wero bezahlen. Deutschland übernimmt damit innerhalb der internationalen Decathlon-Gruppe eine Vorreiterrolle. Nur vier Tage später zog Lidl nach und aktivierte die Bezahlmethode am 24. Juli 2026 im eigenen Onlineshop. Nach eigenen Angaben ist Lidl der erste Lebensmitteleinzelhändler in Deutschland, der Wero im E-Commerce anbietet.
Bei beiden Händlern steht Wero zunächst ausschließlich für Onlinebestellungen zur Verfügung. Einen Termin für die Einführung an den Kassen der Lidl-Filialen gibt es bislang nicht. Decathlon bereitet die technische Integration an den Kassen seiner mehr als 110 deutschen Filialen nach eigenen Angaben bereits vor, nennt dafür aber ebenfalls noch kein konkretes Startdatum.
Wero startete Anfang Juli 2024 zunächst als Dienst für Geldtransfers zwischen Privatpersonen. Seit Herbst 2025 sind auch Zahlungen bei teilnehmenden Onlineshops möglich.
Wero löst eine Echtzeitüberweisung direkt von deinem Girokonto zum Händler aus. Voraussetzung ist ein Konto bei einer Bank oder Sparkasse, die Wero und die Bezahlung im Onlinehandel unterstützt. Die Funktion musst du in der Regel einmalig in deiner Banking-App aktivieren.
Wählst du Wero im Checkout aus, wirst du auf dem Smartphone automatisch zu deiner Banking- oder Wero-App weitergeleitet. Dort bestätigst du die Zahlung beispielsweise per Fingerabdruck, Gesichtserkennung oder einem anderen Freigabeverfahren deiner Bank. Kaufst du am Computer ein, kannst du alternativ den angezeigten QR-Code mit dem Smartphone scannen. Die Transaktion soll innerhalb weniger Sekunden abgewickelt werden, deine Kartendaten musst du dem Händler dabei nicht übermitteln. Bei einer Retoure fließt das Geld auf das ursprüngliche Konto zurück.
Hinter Wero steht die European Payments Initiative, kurz EPI. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss europäischer Banken und Zahlungsdienstleister, der eine eigenständige europäische Alternative zu internationalen Zahlungssystemen aufbauen will. EPI wird derzeit von 18 europäischen Banken und Finanzdienstleistern getragen; mehr als 50 Institutionen gehören inzwischen dem Netzwerk an. Die Organisation beziffert die Reichweite von Wero aktuell auf rund 56 Millionen Nutzer:innen.
Weitere Händler wie Rossmann, CEWE, Cineplex, Zooplus, Hornbach, Air Europa und Veepee haben ebenfalls angekündigt, Wero als Bezahlmethode einzuführen.
Wero ersetzt nicht automatisch sämtliche Funktionen einer Kreditkarte. Der Betrag wird unmittelbar von deinem Girokonto abgebucht. Einen Kreditrahmen oder ein späteres Zahlungsziel gibt es bei Wero grundsätzlich nicht.
Typische Kreditkartenleistungen wie Meilen, Cashback, Bonuspunkte oder Versicherungen bietet Wero nicht. Auch die Akzeptanz fällt bislang deutlich geringer aus als bei etablierten Kartennetzwerken wie Visa oder Mastercard.
Der Wero-Käuferschutz lässt sich ebenfalls nicht eins zu eins mit dem Chargeback-Verfahren einer Kreditkarte vergleichen. Laut Verbraucherzentrale muss der Käuferschutz vom jeweiligen Händler im Bestellprozess angeboten und von dir ausgewählt werden. Bei Kreditkartenzahlungen kann je nach Fall und den Regeln des Kartensystems eine Rückbelastung über die kartenausgebende Bank angestoßen werden.
Wero ist deshalb vorerst weniger ein vollständiger Ersatz für die Kreditkarte als vielmehr eine europäische Alternative zu PayPal und anderen kontobasierten Bezahlverfahren.
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