Künstliche Intelligenz verändert die Bedrohungslage im Zahlungsverkehr. Visa-Technologiechef Rajat Taneja warnt vor Cyberangriffen, die zunehmend selbstständig lernen und ihre Vorgehensweise anpassen könnten. Der Zahlungsdienstleister setzt deshalb auch bei seiner Abwehr verstärkt auf KI.

Angreifer setzen KI ein, um schneller und gezielter vorzugehen. Visa-Technologiechef Rajat Taneja sieht darin eine wachsende Herausforderung für die Sicherheit im Zahlungsverkehr. „Wenn der Angreifer agentisch ist, muss auch die Abwehr agentisch sein. Andernfalls besteht ein Ungleichgewicht“, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. Gemeint sind KI-Systeme, die eigenständig Aufgaben ausführen und ihre Vorgehensweise anpassen können. Eine Abwehr, die vor allem auf menschliche Reaktionen angewiesen ist, werde damit nicht Schritt halten können.
Nach Einschätzung von Visa können Kriminelle mithilfe von KI neu entdeckte Sicherheitslücken schneller ausnutzen. Unternehmen müssen deshalb zügiger feststellen, welche Schwachstellen tatsächlich gefährlich sind, diese beheben und anschließend überprüfen, ob die Korrektur wirkt. Auch eingebundene Software anderer Anbieter kann dabei zum Risiko werden.
Welche Folgen automatisierte Angriffe haben können, zeigt eine kürzlich aufgedeckte Kampagne: Bei KI-gestützten Angriffen auf Onlineshops erbeuteten Kriminelle Daten von mehr als 600.000 Kreditkarten. Die eingesetzten Systeme konnten unter anderem selbstständig nach Schwachstellen suchen und diese ausnutzen.
Visa hat mithilfe künstlicher Intelligenz geprüft, wo die eigenen Systeme angreifbar sein könnten. Dabei wurden bislang unbekannte Sicherheitslücken entdeckt, von denen einige als besonders schwerwiegend eingestuft wurden.
Die entdeckten Lücken hätten sich laut Visa dank bestehender Schutzmaßnahmen jedoch nicht für einen erfolgreichen Angriff nutzen lassen. Das Unternehmen verweist unter anderem auf strenge Zugriffskontrollen und voneinander getrennte Netzwerkbereiche. Die Tests hätten damit Verbesserungsmöglichkeiten aufgezeigt, zugleich aber die Wirksamkeit bestehender Sicherheitsmaßnahmen bestätigt. Einen erfolgreichen Einbruch in das Zahlungsnetzwerk meldet Visa in diesem Zusammenhang nicht.
Für die KI-gestützte Abwehr von Sicherheitslücken stellt das Unternehmen bereits seit Juni 2026 ein Softwarewerkzeug bereit, dessen Programmcode öffentlich zugänglich ist. Eine im August vorgestellte Erweiterung unterstützt Sicherheitsteams dabei, Schwachstellen zu beheben und zu überprüfen, ob die Korrekturen funktionieren. Menschen sollen laut Visa weiterhin die entscheidenden Schritte beaufsichtigen.
Gleichzeitig entwickelt Visa den Einsatz von KI beim Einkaufen weiter. Im Juli meldete das Unternehmen reale Zahlungen durch KI-Agenten in Europa, gemeinsam mit mehr als 30 Finanzinstituten. Die Systeme suchten Produkte, wählten Artikel aus und schlossen Käufe im Auftrag von Karteninhaber ab. Laut Visa hielten sie sich dabei an zuvor festgelegte Nutzervorgaben.
Für solche Anwendungen arbeitet Visa mit Mastercard und dem Finanztechnologieunternehmen Ant International an gemeinsamen Sicherheitsregeln für Zahlungen durch KI-Agenten. Das geplante Regelwerk „Know Your Agent“ soll helfen, autorisierte Agenten über verschiedene Zahlungsnetzwerke hinweg eindeutig zu erkennen. Wie diese gemeinsamen Regeln konkret aussehen und wann sie eingeführt werden, ist bislang noch offen.
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