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Nach über 15 Jahren: Visa und Mastercard wickeln erste Kartenzahlungen in Syrien ab

Syrien war mehr als 15 Jahre lang weitgehend vom internationalen Kartenzahlungsverkehr abgeschnitten. Ende August 2026 haben Visa und Mastercard erstmals wieder internationale Kartentransaktionen in Damaskus durchgeführt, nur wenige Tage nachdem die USA Syrien von ihrer Liste der staatlichen Terrorunterstützer gestrichen hatten. Im Alltag ist die Reichweite der neuen Zahlungsmöglichkeiten bislang allerdings noch stark begrenzt.

Nach über 15 Jahren: Visa und Mastercard wickeln erste Kartenzahlungen in Syrien ab

Visa testet Zahlung mit Präsident al-Scharaa

Zwei Kartenzahlungen in Damaskus, beide historisch: Sowohl Visa als auch Mastercard datieren ihre erste Transaktion auf Mittwoch, den 26. August 2026. Der Unterschied liegt im Detail: Visa spricht ausdrücklich von einer Testzahlung, während Mastercard und die QNB Group eine vollständig abgewickelte internationale Kartenzahlung einschließlich der Gutschrift beim Händler melden.

Visa testete gemeinsam mit der libanesischen Fransabank als Acquirer und dem syrischen Zahlungsdienstleister Paymera, der zum staatlichen syrischen Staatsfonds gehört, eine internationale Live-Transaktion. Präsident Ahmed al-Scharaa führte die Zahlung persönlich in der Altstadt von Damaskus durch. Begleitet wurde er vom Gouverneur der syrischen Zentralbank, Mohammed Safwat Raslan.

Mastercard und die katarische QNB Group meldeten dagegen die erste vollständig abgewickelte internationale Kartenzahlung in Syrien seit mehr als 15 Jahren. QNB Syria verarbeitete dafür an einem Point-of-Sale-Terminal eines zugelassenen Händlers oder einer zugelassenen Händlerin eine Zahlung mit einer international ausgegebenen Mastercard.

Nach Angaben der QNB können teilnehmende Hotels, Restaurants und staatliche Einrichtungen internationale Mastercard Kreditkarten über QNB-Terminals akzeptieren. Weitere zugelassene Händler sollen schrittweise folgen, sofern die regulatorischen Voraussetzungen erfüllt sind. Von einer flächendeckenden Kartenakzeptanz kann damit bislang nicht gesprochen werden. Belegt sind zunächst Zahlungen am Kartenterminal. Mastercard und QNB arbeiten allerdings auch an einer Infrastruktur für E-Commerce und weitere digitale Bezahlverfahren.

Sanktionen erschwerten internationalen Zahlungsverkehr

Spezielle Sanktionen gegen Kreditkarten gab es nicht. Der internationale Zahlungsverkehr wurde vielmehr durch Finanz- und Bankensanktionen, eingeschränkte internationale Bankbeziehungen sowie hohe Compliance-Risiken für ausländische Finanzinstitute erheblich erschwert. Internationale Kartenzahlungen setzen unter anderem funktionierende Beziehungen zwischen Acquirern, Banken, Zahlungsnetzwerken und Händler voraus.

Die Sanktionen gegen Syrien wurden ab 2025 schrittweise gelockert. Die EU hob die wirtschaftlichen Sanktionen weitgehend auf und strich unter anderem die syrische Zentralbank von ihrer Sanktionsliste. In den USA wurde das umfassende Syrien-Sanktionsprogramm beendet und der Caesar Act aufgehoben. Gezielte Sanktionen gegen Bashar al-Assad und sein Umfeld, Menschenrechtsverletzer, Drogenhändler, Personen mit Verbindungen zu Chemiewaffenaktivitäten sowie Terrororganisationen blieben jedoch bestehen. Am 24. August 2026 strichen die USA Syrien zudem von ihrer Liste der staatlichen Terrorunterstützer.

Die Regierung von Präsident al-Scharaa hatte international für eine wirtschaftliche Öffnung und den weiteren Abbau der Sanktionen geworben. Al-Scharaa traf Trump unter anderem im Mai 2025 in Riad und im November desselben Jahres im Weißen Haus. Die formalen Entscheidungen über die Aufhebung der Sanktionen trafen jedoch die zuständigen US-Institutionen beziehungsweise die Europäische Union.

Was die Entwicklung für Syrienreisende bedeutet

Für Reisende aus Deutschland ändert sich vorerst wenig. Das Auswärtige Amt warnt weiterhin vor Reisen nach Syrien und weist in seinen Reiseinformationen mit Stand 29. August 2026 darauf hin: „In Syrien können weiterhin keine Kreditkarten genutzt werden.“ Das gelte auch für Geldautomaten, Hotels und andere mögliche Einsatzorte. Reisende müssten daher weiterhin mit Bargeld planen.

Visa nennt als Ziel, internationalen Besucher künftig die Nutzung ihrer Karten in Syrien zu ermöglichen. Die Zahlung von Präsident al-Scharaa hat dabei auch symbolischen Charakter: Ein offizieller syrischer Beitrag zu dem Vorgang erklärte, dass eine solche einfache Transaktion mehr als 15 Jahre lang nicht möglich gewesen sei.

Wann international ausgegebene Karten in Syrien regulär und in größerem Umfang akzeptiert werden, ist derzeit offen. Die ersten Transaktionen zeigen zwar, dass die technische Wiederanbindung begonnen hat. Für Karteninhaber:innen entscheidend wird jedoch sein, wie schnell weitere Banken und Händler angeschlossen werden und internationale Finanzinstitute ihre Geschäftsbeziehungen mit Syrien ausbauen.

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Philipp Ollenschläger

Erstellt von

Parallel zu seinem Journalismus-Studium hat Philipp großes Interesse an Wirtschaftsthemen entwickelt, das sich während seiner Arbeit bei einem großen Medizin-Publisher verfestigt hat. Hier hat er sich häufig mit gesundheitsökonomischen Fragestellungen beschäftigt. Als Vielreisender kennt er schon lange die Vorteile des bargeldlosen Bezahlens. Diese Erfahrungen helfen ihm sehr bei seiner Arbeit als Autor von Ratgebern und Analysen rund um Kreditkarten.

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Zuletzt aktualisiert am 31. August 2026

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