Mobile Bezahlverfahren gewinnen im deutschen Einzelhandel deutlich an Bedeutung. Laut der neuen EHI-Studie „Zahlungssysteme im Einzelhandel 2026″ wurde im vergangenen Jahr bereits knapp jede fünfte unbare Zahlung mobil getätigt, ein Anstieg, der die Dynamik im Zahlungsmarkt eindrücklich zeigt.
Der Anteil mobiler Zahlungen an allen unbaren Transaktionen ist von 12,8 % (2024) auf 19,3 % gestiegen. „Das mobile Bezahlen mit Smartphone oder Smartwatch liegt im Trend und wird immer häufiger im Handel genutzt. Etwa jede fünfte unbare Zahlung an den Kassen des Einzelhandels tätigt die Kundschaft mittlerweile mobil“, erklärt Horst Rüter, Payment-Experte und Studienautor beim EHI Retail Institute, einem Kölner Forschungsinstitut für den Handel. Bezogen auf alle rund 20 Milliarden jährlichen Zahlungsvorgänge entspricht das einem Anteil von 9,3 %.
Einen wesentlichen Anteil an diesem Wachstum hat die Öffnung der iPhone-Kontaktlosschnittstelle. Nach einer Intervention der EU-Kommission ermöglicht Apple seit dem vergangenen Jahr auch Drittanbieter-Apps den Zugriff auf die NFC-Schnittstelle. In der Folge haben die Genossenschaftsbanken und Paypal eigene Bezahl-Apps für das iPhone eingeführt. Die Sparkassenorganisation bietet sowohl Kreditkarten als auch die Girocard schon länger in der iPhone-Wallet an.
Der Trend weg vom Bargeld setzt sich ungebremst fort. Der Umsatzanteil von Kartenzahlungen im stationären Einzelhandel ist auf 65,1 % gestiegen (2024: 63,5 %), während Bargeld von 33,8 % auf 32,3 % zurückgegangen ist. Der gesamte Kartenumsatz beläuft sich auf 328,6 Milliarden Euro, ein Plus von 14,5 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr.
Bei den Transaktionsanteilen liegt Bargeld mit 50,5 % zwar noch knapp vor der Karte mit 48,1 %. Der Abstand schrumpft jedoch kontinuierlich, und das EHI erwartet, dass Kartenzahlungen noch in diesem Jahr auch bei der Transaktionsanzahl die Nase vorne haben werden.
Bei den Kartenzahlungen bleibt die Girocard mit einem Umsatzanteil von 40,5 % das meistgenutzte Zahlungsmittel im stationären Handel, verliert aber leicht (2024: 41,5 %). Das stärkste Wachstum verzeichnen internationale Debitkarten von Visa und Mastercard: Sie legen um 2,5 Prozentpunkte auf 9,4 % zu. Kreditkarten kommen auf 8,2 %, das SEPA-Lastschriftverfahren auf 6,4 %.
Im E-Commerce bleibt Paypal mit 28,7 % Umsatzanteil die klare Nummer eins, knapp vor dem Kauf auf Rechnung mit 26,1 %. Die Lastschrift verliert fast drei Prozentpunkte und kommt auf 14,4 %. Internationale Kredit- und Debitkarten verzeichnen das größte Wachstum im Online-Bereich mit einem Plus von 1,4 Prozentpunkten auf 13,7 % und belegen damit Platz vier. Erstmals separat ausgewiesen wurde Apple Pay mit einem Anteil von 1,3 %.
Die Zahlen des EHI zeichnen insgesamt ein klares Bild: Der deutsche Zahlungsmarkt befindet sich in einem strukturellen Wandel. Bargeld verliert sowohl beim Umsatz als auch bei der Transaktionszahl kontinuierlich an Boden, während mobile Bezahlverfahren schneller wachsen als noch vor wenigen Jahren erwartet. Für Verbraucher:innen wächst die Auswahl an Bezahlmöglichkeiten. Der Handel wiederum muss seine Kasseninfrastruktur weiter anpassen, um Schritt zu halten.
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