Trade Republic reagiert auf anhaltende Kritik am eigenen Support und startet eine umfassende Serviceoffensive. Künftig soll die Kundenbetreuung deutlich persönlicher, schneller und rund um die Uhr erreichbar sein. Gleichzeitig möchte sich das Fintech stärker als vollwertige Bank positionieren.
Der Berliner Online-Broker Trade Republic will die Erreichbarkeit für Kund:innen grundlegend verbessern. Laut Unternehmensangaben stehen mehr als 1.000 geschulte Servicekräfte bereit, um Anfragen rund um die Uhr in acht Sprachen zu bearbeiten.
Der Support lässt sich unmittelbar über die App kontaktieren, entweder telefonisch, im Live-Chat oder via Rückrufservice. Der neue Service wird schrittweise eingeführt und soll in den kommenden Wochen in Deutschland sowie weiteren Kernmärkten vollständig verfügbar sein. In den vergangenen sechs Monaten investierte das Unternehmen dafür einen zweistelligen Millionenbetrag.
Der Ausbau ist eine Reaktion auf anhaltende Kritik. Beschwerden über schlecht erreichbaren Support und lange Wartezeiten nahmen in der Vergangenheit deutlich zu. Nach Angaben des Handelsblatt gab es zwischen Januar und September 2025 über 300 Beschwerden bei Verbraucherzentralen, mehr als doppelt so viele wie im Vorjahreszeitraum.
Parallel zur Serviceoffensive erweitert Trade Republic auch das eigene Angebot. Geplant sind mehr als 30 neue Funktionen, darunter zusätzliche Sicherheitsoptionen sowie Analysetools für Anleger:innen.
Strategisch zielt das Unternehmen auf den Wandel zur umfassenden Hausbank. Seit 2023 liegt eine Vollbanklizenz vor, wodurch neben dem Wertpapierhandel auch Girokonten und die Trade Republic-Karte, eine kostenlose Debitkarte, angeboten werden.
Der Wettbewerb im Markt für Neobroker bleibt intensiv. Anbieter wie Scalable Capital oder Finanzen.net Zero entwickeln ihre Produkte ebenfalls kontinuierlich weiter und werben mit attraktiven Konditionen.
Trade Republic setzt dabei weiterhin auf niedrige Gebühren, kostenlose ETF-Sparpläne und vergleichsweise hohe Zinsen auf Guthaben.
Mit der Offensive will Trade Republic verlorenes Vertrauen zurückgewinnen und den eigenen Anspruch neu definieren. Entsprechend ambitioniert fällt das Ziel aus: „In den nächsten zwölf Monaten wollen wir den besten Kundenservice aller Banken in Europa betreiben“, kündigte CEO Christian Hecker an.
Ob das gelingt, dürfte maßgeblich davon abhängen, wie schnell und zuverlässig die neuen Strukturen in der Praxis funktionieren. Klar ist: Der Kundenservice wird für Neobroker zunehmend zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor.
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