Eine Mehrheit der Menschen in Deutschland wünscht sich mehr europäische Alternativen beim digitalen Bezahlen. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Digitalverbands Bitkom. Mit Wero gibt es eine solche Lösung bereits, im Zahlungsalltag vieler Verbraucher ist der Dienst bislang allerdings noch nicht angekommen.
Mehr als die Hälfte der Befragten fordert mehr europäische Angebote beim digitalen Bezahlen. 53 % sprechen sich dafür aus, zugleich bereitet es 46 % Sorgen, dass viele wichtige Zahlungsdienste von Unternehmen außerhalb Europas stammen. Für die repräsentative Erhebung befragte Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands 1.004 Personen ab 16 Jahren in Deutschland telefonisch. Die Befragung fand zwischen Kalenderwoche 11 und 14 des Jahres 2026 statt.
Besonders ausgeprägt ist der Wunsch nach europäischen Bezahllösungen bei älteren Menschen. Unter den Befragten ab 65 Jahren wünschen sich 61 % mehr europäische Angebote, bei den 16- bis 29-Jährigen sind es 51 %. Auch die Abhängigkeit von außereuropäischen Zahlungsdiensten bereitet älteren Befragten häufiger Sorgen.
Dabei zählt für viele nicht allein die Herkunft eines Bezahldienstes, sondern auch dessen Leistungsumfang. 37 % würden für einen europäischen Anbieter Abstriche akzeptieren, während ein ähnlich großer Anteil europäische Dienste nur bei vergleichbarer Leistung bevorzugen würde. „Für europäische Zahlungsdienste gibt es ein großes Potenzial, aber einen Europa-Bonus gibt es nicht um jeden Preis“, sagt Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst.
Die Ergebnisse bedeuten allerdings nicht, dass 53 % zu einem bestimmten europäischen Anbieter wechseln möchten. Bitkom fragte allgemein nach der Einstellung zu Zahlungsdiensten und nannte dabei unter anderem PayPal, Klarna, girocard,Visa und Mastercard als Beispiele.
Mit Wero steht Verbraucher bereits eine europäische Bezahllösung zur Verfügung. Der von der European Payments Initiative (EPI) entwickelte Dienst startete zunächst für Geldtransfers zwischen Privatpersonen und wird inzwischen zunehmend für Zahlungen im Onlinehandel ausgebaut.
Bei der tatsächlichen Nutzung besteht jedoch noch Luft nach oben. Im Bundesbank Online Panel Haushalte gaben im Mai 2026 knapp 8 % der Befragten an, Wero bereits zu nutzen. Weitere rund 44 % kannten den Dienst, hatten ihn aber noch nicht verwendet. Als Gründe für die Nichtnutzung nennt die Bundesbank unter anderem fehlenden Bedarf, die geringe Verbreitung unter möglichen Empfänger und Unsicherheit darüber, ob die eigene Bank Wero unterstützt.
Zu einem ähnlichen Ergebnis kam eine repräsentative Verivox-Umfrage vom Juli 2026. Zwar konnte ein größerer Teil der Befragten Wero als Zahlungsdienst einordnen, tatsächlich genutzt hatten ihn jedoch erst knapp 7 %. Auch diese Erhebung deutet darauf hin, dass Wero im Zahlungsalltag bislang nur eine begrenzte Reichweite erreicht.
Gleichzeitig wächst das Angebot. In Deutschland haben zuletzt unter anderem N26 und bunq Wero integriert. Im Onlinehandel ist der Dienst inzwischen beispielsweise bei dm, Lidl und Decathlon verfügbar. Nicht jede teilnehmende Bank unterstützt allerdings automatisch sämtliche Wero-Funktionen.
Auch europaweit steigt die Händlerakzeptanz. Nach Angaben der EPI hatten Mitte September 2026 bereits mehr als 48.000 Händler in Belgien, Frankreich, Deutschland, Luxemburg und den Niederlanden Wero-Transaktionen verarbeitet. Neben dem Onlinehandel rückt zunehmend auch das Bezahlen im stationären Handel in den Fokus.
Damit trifft der Wunsch nach mehr europäischen Bezahllösungen auf einen Anbieter, der seine Reichweite derzeit deutlich ausbaut, bei vielen Verbraucher aber noch nicht im Zahlungsalltag angekommen ist. Die Bitkom-Umfrage macht zugleich deutlich, dass Europa als Prädikat allein nicht ausreicht: Für eine breitere Akzeptanz dürften auch Verfügbarkeit, Leistungsumfang und die Konkurrenzfähigkeit gegenüber etablierten Zahlungsdiensten entscheidend sein.
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