Mastercard sieht KI-Agenten als wichtigen Bestandteil des künftigen Online-Handels. Bis 2030 könnten sie für Millionen Verbraucher:innen Produkte auswählen, Angebote vergleichen sowie Einkäufe und Zahlungen weitgehend selbstständig übernehmen.
KI-Agenten, also digitale Assistenten, die Aufgaben selbstständig ausführen und innerhalb festgelegter Regeln Entscheidungen treffen, könnten beim Online-Shopping künftig eine deutlich größere Rolle spielen. Für den Report „A Short History of the Future of Shopping and Payments“ arbeitete Mastercard mit vier Zukunftsforscher:innen zusammen. Sie erwarten, dass solche Systeme bis 2030 für viele Verbraucher:innen zum festen Bestandteil des digitalen Einkaufs werden.
Zunächst dürften vor allem wiederkehrende Käufe wie Lebensmittel, Medikamente oder Abonnements automatisiert werden. Später könnten KI-Agenten auch Preise aushandeln sowie Produktangaben und Zertifikate prüfen.
Mastercard spricht von weltweit mehr als 300 Millionen möglichen Nutzer:innen bis 2030. Dabei handelt es sich um eine Zukunftsprognose und nicht um das Ergebnis der begleitenden Verbraucherbefragung. Für diese ließ das Unternehmen durch das Marktforschungsunternehmen Opinium Eltern und Jugendliche in 13 Ländern befragen, darunter Deutschland. Insgesamt nahmen 26.000 Personen teil.
Für Mastercard ist Agentic Commerce nicht nur Gegenstand einer Zukunftsstudie. Bereits im April 2025 stellte der Konzern mit „Mastercard Agent Pay“ ein eigenes Programm für Zahlungen durch KI-Agenten vor. Ein wesentlicher Bestandteil sind sogenannte Agentic Tokens, die auf Mastercards bestehender Tokenisierungstechnologie aufbauen.
Die Idee dahinter: Ein KI-Agent soll nicht einfach Zugriff auf die vollständigen Kartendaten erhalten. Stattdessen erfolgt die Zahlung innerhalb eines zuvor autorisierten Rahmens. Eine hinterlegte Mastercard Kreditkarte beziehungsweise das dazugehörige Kartenkonto kann dabei im Hintergrund weiterhin als Zahlungsmittel dienen, obwohl der:die Karteninhaber:in den eigentlichen Checkout nicht mehr selbst durchführt.
Wie das funktionieren kann, demonstrierte das Unternehmen im Mai 2026 in Deutschland gemeinsam mit Deutsche Bank, DZ Bank und N26. Ein KI-Agent des Entwicklungspartners PayOS suchte auf der Mastercard-Plattform Priceless.com nach einem passenden Event und übernahm anschließend Buchung und Bezahlung. Laut Mastercard basierte die Transaktion auf einem klar definierten Mandat und wurde authentifiziert sowie mit zusätzlichen Transaktionsinformationen versehen.
Im Juni folgte gemeinsam mit Worldline und ING eine vollständig durchgeführte europäische Agentic-Payment-Transaktion in einer Produktivumgebung. Der US-Konzern erklärte zudem, dass inzwischen alle europäischen Mastercard-Issuer auf Netzwerkebene für Agent Pay aktiviert seien. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Funktion bereits von allen Banken angeboten oder von Karteninhaber:innen regulär genutzt werden kann.
Damit KI-Agenten tatsächlich eigenständig bezahlen können, muss unter anderem sichergestellt sein, dass der Agent eindeutig identifiziert, die Zustimmung des:der Nutzer:in nachgewiesen und die Transaktion nachvollziehbar zugeordnet werden kann. Mastercard arbeitet deshalb auch an branchenweiten Standards und beteiligt sich unter anderem an Googles Agent Payments Protocol sowie OpenAIs Agentic Commerce Protocol. Zudem arbeitet der Konzern daran, Agent Pay in Microsoft Copilot Checkout zu integrieren.
Offen bleiben bei dem Ganzen Fragen zur Haftung bei falschen oder unerwünschten Käufen, zu möglichen Ausgabenlimits sowie zum Umgang mit Reklamationen und missbräuchlichen Transaktionen. Wie wichtig Kontrolle für Verbraucher:innen ist, zeigt auch eine aktuelle Visa-Studie zu Zahlungen durch KI-Agenten. Das Unternehmen selbst nennt Identität, Autorisierung, Zustimmung und Haftung als zentrale Bereiche, für die mit wachsendem Agentic Commerce neue Lösungen erforderlich werden.
Die Studie passt damit zum Mastercard-Kurs, sich frühzeitig als Zahlungsanbieter für den Handel mit KI-Agenten zu positionieren. Wie schnell sich solche Systeme im Alltag durchsetzen und ob bis 2030 tatsächlich hunderte Millionen Verbraucher:innen regelmäßig damit einkaufen, lässt sich derzeit allerdings nicht verlässlich absehen.
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