Die girocard ist das meistgenutzte bargeldlose Bezahlverfahren an deutschen Ladenkassen. Für das erste Halbjahr 2026 hat EURO Kartensysteme neue Zahlen zu Transaktionen, Umsatz und Akzeptanzstellen vorgelegt. Sie zeigen, wie sich das Bezahlverhalten an der Kasse derzeit verändert.
Nach Angaben von EURO Kartensysteme, dem Unternehmen der Deutschen Kreditwirtschaft, das die Marke girocard betreut, wurde die girocard im ersten Halbjahr 2026 rund 4,21 Milliarden Mal eingesetzt. Das waren 4,0 % mehr als im Vorjahreszeitraum, in dem 4,04 Milliarden Zahlungen gezählt wurden. Der damit erzielte Umsatz stieg dagegen nur um 0,8 % auf 151,9 Milliarden Euro, nach 150,7 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2025.
Damit nahm die Zahl der Transaktionen deutlich stärker zu als der Umsatz. Entsprechend sank der durchschnittliche Zahlbetrag pro girocard-Transaktion: Der sogenannte Durchschnittsbon lag bei 36,12 Euro, nach 37,28 Euro im Vorjahreszeitraum. Das entspricht einem Rückgang von rund 3,1 %.
Parallel dazu wächst die Infrastruktur. An 1.397.000 aktiven Terminals konnten Verbraucher im ersten Halbjahr 2026 mit der girocard bezahlen. Das waren 11,1 % mehr als die 1.257.000 Terminals im Vorjahreszeitraum. Im Juni 2026 wurden rund 92 % aller girocard-Transaktionen kontaktlos abgewickelt, nach 88 % im Juni 2025. Dabei handelt es sich allerdings um einen Monatswert und nicht um einen Durchschnitt für das gesamte Halbjahr.
Ein sinkender durchschnittlicher Zahlbetrag deutet darauf hin, dass die girocard häufiger auch für kleinere Einkäufe eingesetzt wird. EURO Kartensysteme selbst führt die Entwicklung unter anderem darauf zurück, dass Kund ihre Karte zunehmend auch bei niedrigen Beträgen nutzen.
Eindeutig belegt ist diese Entwicklung durch den Durchschnittsbon allein jedoch nicht. Eine Aufschlüsselung der girocard-Zahlungen nach Betragsklassen, etwa für Zahlungen unter 5 Euro oder unter 10 Euro, veröffentlicht das Unternehmen in den Halbjahreszahlen nicht. Der Durchschnittsbon ist lediglich ein Mittelwert und zeigt nicht, wie sich die einzelnen Transaktionen auf verschiedene Betragsklassen verteilen.
Auch andere Faktoren können den Durchschnittswert beeinflussen. Die Zahl der Akzeptanzstellen stieg mit 11,1 % deutlich stärker als die Zahl der Transaktionen. Kommen vermehrt Bezahlpunkte hinzu, an denen typischerweise kleinere Beträge anfallen, etwa Automaten oder kleinere Betriebe, kann dies den Durchschnittsbetrag zusätzlich senken. Hinzu kommt, dass das Umsatzplus von 0,8 % nominal angegeben wird und die allgemeine Preisentwicklung nicht berücksichtigt. Welchen Anteil die einzelnen Faktoren an der Entwicklung haben, lässt sich aus den veröffentlichten Daten nicht eindeutig ableiten.
Eine Einordnung nach Betragsklassen ermöglicht die Studie „Zahlungsverhalten in Deutschland 2025“ der Deutschen Bundesbank. Demnach bleibt Bargeld vor allem bei kleinen Beträgen wichtig: Einkäufe unter 5 Euro wurden 2025 noch zu rund zwei Dritteln bar bezahlt. Auch bei Beträgen zwischen 5 und unter 20 Euro entfiel mehr als die Hälfte der Zahlungen auf Bargeld.
Von einer Verdrängung des Bargelds durch die girocard bei Klein- und Kleinstbeträgen kann daher noch keine Rede sein. Die aktuellen girocard-Zahlen deuten vielmehr darauf hin, dass bargeldloses Bezahlen auch bei niedrigeren Beträgen weiter an Bedeutung gewinnt.
Zu beachten ist außerdem ein methodischer Unterschied: Wird eine in einer Wallet hinterlegte girocard per Smartphone genutzt, ordnet die Bundesbank die Zahlung dem mobilen Bezahlen zu. EURO Kartensysteme erfasst sie dagegen weiterhin als girocard-Transaktion. Die Angaben beider Quellen sind deshalb nicht unmittelbar vergleichbar.
Die Halbjahreszahlen zeigen, dass die girocard häufiger genutzt wird, während der durchschnittliche Zahlbetrag sinkt und das Akzeptanznetz deutlich wächst. Ob sich daraus langfristig eine stärkere Verlagerung hin zu Kleinbetragszahlungen ergibt, werden weitere Erhebungen zeigen.
Danke, dass du dir Zeit genommen hast, um deinen Kommentar zu schreiben. Du hilfst damit das Produkterlebnis zu verbessern und gibts anderen Nutzern die Möglichkeit weitere Informationen zu diesem Beitrag zu lesen.