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Digitaler Euro: Bundesbank bringt Integration in die Wero-Wallet ins Gespräch

Auf institutioneller Ebene wird bereits darüber diskutiert, wie der digitale Euro und der Bezahldienst Wero zusammenspielen könnten. Im Alltag muss Wero seine Reichweite dagegen noch deutlich ausbauen. Die Bundesbank bringt nun eine mögliche Verbindung beider Projekte ins Gespräch.

Digitaler Euro: Bundesbank bringt Integration in die Wero-Wallet ins Gespräch

Bundesbank-Vorstand mit Denkanstoß

Lutz Lienenkämper, der seit dem 1. Juli im Vorstand der Bundesbank unter anderem für Zahlungsverkehr, Abwicklungssysteme, digitalen Euro und Bargeld zuständig ist, sprach am 26. August 2026 beim Zahlungsverkehrssymposium der Bundesbank in Frankfurt am Main. Dort sagte er: „Denkbar wäre beispielsweise, den digitalen Euro in die Wero Wallet zu integrieren.“ Eine solche Verbindung könne die Reichweite europäischer Zahlungsangebote erhöhen und dazu beitragen, dass neue Lösungen nicht nebeneinanderstehen, sondern nahtlos zusammenwirken.

Die Formulierung steht bewusst im Konjunktiv. Weder die Europäische Zentralbank noch die European Payments Initiative, kurz EPI, haben eine solche Anbindung beschlossen. Die EPI ist ein Zusammenschluss europäischer Banken und Zahlungsdienstleister, der Wero entwickelt und betreibt. Über eine mögliche Ausgabe des digitalen Euro entscheidet der EZB-Rat nach Abschluss des europäischen Gesetzgebungsverfahrens. Lienenkämper beschreibt damit ein mögliches Modell, keine konkrete Produktplanung.

Wichtig ist die Abgrenzung beider Systeme. Wero ist eine privatwirtschaftliche europäische Bezahllösung, bei der Zahlungen grundsätzlich direkt zwischen Bankkonten abgewickelt werden. Der digitale Euro wäre dagegen digitales Zentralbankgeld des Eurosystems. Lienenkämper bezeichnete ihn als „Zentralbankgeld für den digitalen Raum“, das allgemein zugänglich, sicher und auf hohen Datenschutz ausgerichtet sein und private Zahlungslösungen sowie Bargeld ergänzen soll.

Eine Verzahnung würde deshalb nicht bedeuten, dass beide Systeme miteinander verschmelzen. Denkbar wäre vielmehr, dass Wero künftig als einer von mehreren Zugangswegen für Zahlungen mit digitalen Euro dient. Nach den Plänen der EZB sollen Banken und andere Zahlungsdienstleister die wichtigsten Anlaufstellen für Nutzer:innen bleiben und den digitalen Euro über ihre eigenen Kanäle anbieten können. Parallel entwickelt die EZB eine eigene Digital-Euro-App, die im Rahmen des für die zweite Jahreshälfte 2027 geplanten Pilotprojekts getestet werden soll. Die EZB will technisch auf eine mögliche erste Ausgabe im Jahr 2029 vorbereitet sein, sofern die geplante EU-Verordnung zum digitalen Euro 2026 verabschiedet wird. Ob der digitale Euro tatsächlich ausgegeben wird, entscheidet die EZB erst nach Verabschiedung der gesetzlichen Grundlage.

Wero gewinnt neue Banken und Händler:innen

Während auf institutioneller Ebene bereits über eine Verzahnung gesprochen wird, wächst Wero im Alltag schrittweise. Seit Ende Juli 2026 lässt sich in den deutschen Onlineshops von Lidl und Decathlon mit Wero bezahlen. Am 25. August kam der dm-Onlineshop hinzu. Dort steht Wero neben bestehenden Bezahlverfahren wie Kreditkarte, PayPal, Apple Pay und Google Pay zur Verfügung.

arallel wächst das Netz der teilnehmenden Banken. Zu den frühen Unterstützern zählen Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken. Inzwischen beteiligen sich unter anderem auch Deutsche Bank, Postbank und ING. Seit August 2026 ist Wero zudem bei N26 in Deutschland und Frankreich verfügbar, dort zunächst für Geldtransfers zwischen Privatpersonen. Wenige Tage später führte auch bunq Wero für deutsche Kund:innen ein. Je nach Bank unterscheidet sich der verfügbare Funktionsumfang.

Auch im stationären Zahlungsverkehr gibt es erste konkrete Schritte. Der Zahlungsdienstleister ZIIB hat Wero bereits in seine Plattform „Pay with ME“ integriert. Dabei wird am Point of Sale ein QR-Code angezeigt. Der Rollout soll zunächst unter anderem an Automaten, SB-Waschanlagen und Parksystemen erfolgen und später auf klassische Kassensysteme ausgeweitet werden. Ein breiter Ausbau von Wero für Zahlungen im stationären Handel gehört zum weiteren Fahrplan der EPI.

Für Kreditkartennutzer:innen ist die Abgrenzung relevant: Wero ist kein Kartenzahlverfahren, die Transaktionen laufen nicht über die Netze von Visa oder Mastercard. Im Onlinehandel und perspektivisch auch an der Ladenkasse konkurriert Wero aber zunehmend um dieselben Bezahlvorgänge wie Kredit- und Debitkarten, PayPal oder digitale Wallets. Wer mit Wero statt mit einer Kreditkarte bezahlt, erhält dabei keine kartenspezifischen Leistungen wie Meilen, Punkte, Cashback, Kreditkartenversicherungen oder ein durch die Karte gewährtes späteres Zahlungsziel.

Beim Käuferschutz ist eine pauschale Abgrenzung zu Diensten wie PayPal dagegen nicht mehr zutreffend. Wero verfügt für Handelszahlungen über Mechanismen zur Problemmeldung, Rückerstattung und Streitbeilegung. Welche Möglichkeiten im Einzelfall bestehen, hängt unter anderem von der jeweiligen Zahlung und dem beteiligten Händler ab.

Warum die Reichweite über den Erfolg entscheidet

Wie viel Aufbauarbeit Wero noch vor sich hat, zeigen Daten des Bundesbank Online Panel Haushalte. Knapp 8 % der Befragten gaben an, Wero bereits zu nutzen. Weitere rund 44 % kannten den Dienst, hatten ihn aber noch nicht eingesetzt. Als wesentliche Gründe für die Nichtnutzung nannten Befragte fehlenden Bedarf, eine geringe Verbreitung auf der Empfängerseite und Unsicherheit darüber, ob die eigene Bank Wero anbietet. „Der Markthochlauf bleibt daher eine Aufgabe, die mit Nachdruck verfolgt werden muss“, sagte Lienenkämper.

Eine im Juli 2026 durchgeführte Innofact-Umfrage im Auftrag von Verivox kam bei der Bekanntheit auf einen niedrigeren Wert. Demnach konnten 39 % der Befragten Wero korrekt als Zahlungsdienst einordnen. Die Werte lassen sich wegen unterschiedlicher Befragungsmethoden und Fragestellungen nicht unmittelbar miteinander vergleichen, zeigen aber beide, dass zwischen grundsätzlicher Bekanntheit und tatsächlicher Nutzung weiterhin eine deutliche Lücke besteht.

Genau darin liegt die Spannung der aktuellen Entwicklung. Auf institutioneller Ebene wird bereits darüber gesprochen, Wero mit dem digitalen Euro zu verzahnen, während der Bezahldienst im Alltag noch Bekanntheit, Akzeptanz und Nutzung ausbauen muss. Eine kompatible Infrastruktur könnte beiden Projekten zugutekommen, Wero durch zusätzliche Reichweite und dem digitalen Euro durch einen bereits etablierten Zugangsweg. Die Bundesbank verbindet damit ausdrücklich das Ziel, den europäischen Zahlungsverkehr wettbewerbsfähiger und unabhängiger zu machen.

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Philipp Ollenschläger

Erstellt von

Parallel zu seinem Journalismus-Studium hat Philipp großes Interesse an Wirtschaftsthemen entwickelt, das sich während seiner Arbeit bei einem großen Medizin-Publisher verfestigt hat. Hier hat er sich häufig mit gesundheitsökonomischen Fragestellungen beschäftigt. Als Vielreisender kennt er schon lange die Vorteile des bargeldlosen Bezahlens. Diese Erfahrungen helfen ihm sehr bei seiner Arbeit als Autor von Ratgebern und Analysen rund um Kreditkarten.

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Zuletzt aktualisiert am 3. September 2026

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