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Cyberangriffe mit KI: Mehr als 600.000 Kreditkartendaten gestohlen

Cyberkriminelle setzen zunehmend KI ein, um Angriffe auf Onlineshops zu automatisieren. Sicherheitsforscher haben nun eine laufende Kampagne aufgedeckt, bei der Daten von mehr als 600.000 Kreditkarten gestohlen wurden. Auf zahlreichen weiteren Websites schleusten die Angreifer Schadcode ein, der Kartendaten direkt beim Bezahlvorgang abgreifen kann.

Cyberangriffe mit KI: Mehr als 600.000 Kreditkartendaten gestohlen

Mehr als 600.000 Kreditkartendaten aus 2 Unternehmen gestohlen

Innerhalb von nur 6 Tagen nahmen die Angreifer mehr als 100 Ziele ins Visier. Zwischen dem 10. und 15. September wurden 105 Angriffsprojekte gestartet, bei mindestens 27 Unternehmen gelang ein Zugriff in unterschiedlichem Umfang. Aufgedeckt wurde die Kampagne vom Sicherheitsunternehmen Gambit Security, das die Aktivitäten des Angreifers bis mindestens Juli 2026 zurückverfolgen konnte. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Untersuchung am 22. September dauerte die Kampagne laut Gambit noch an.

Besonders umfangreich fiel der Datendiebstahl bei 2 Unternehmen aus. Dort konnten die Kriminellen insgesamt Daten von mehr als 600.000 Kreditkarten abgreifen, deren Ablaufdatum noch nicht erreicht war. Rund 79 % beziehungsweise 488.372 der ausgewerteten Karten wurden in den USA ausgegeben. Ob und in welchem Umfang auch hierzulande ausgegebene Karten betroffen sind, lässt sich derzeit nicht sagen. Deutschland wird in der veröffentlichten Länderübersicht nicht separat aufgeführt.

Das Betrugspräventionsunternehmen Overwatch Data analysierte die gefundenen Kartendaten und informierte die jeweiligen Kartenherausgeber. Nach Recherchen des US-Magazins Forbes befanden sich auf dem untersuchten Server des Angreifers Daten von mindestens 618.000 Kreditkarten. Ob die gestohlenen Informationen bereits für betrügerische Zahlungen genutzt wurden, ist bislang nicht bekannt.

KI übernimmt große Teile der Angriffe

Eine Besonderheit der Kampagne ist der hohe Automatisierungsgrad. Die eingesetzten KI-Systeme konnten selbstständig nach Schwachstellen in Onlineshops suchen, diese ausnutzen und weitere Schritte innerhalb der angegriffenen Systeme durchführen. Die Angreifer mussten dafür teilweise nur wenige kurze Anweisungen geben.

Die verwendeten Angriffsmethoden selbst sind dabei nicht neu. So nutzten die Systeme unter anderem Sicherheitslücken in Websites, gestohlene Zugangsdaten und fehlerhafte Einstellungen aus. Mithilfe der KI ließen sich solche Angriffe jedoch deutlich schneller und in größerem Umfang durchführen. Bei erfolgreichen Attacken benötigten die Systeme laut Gambit häufig weniger als einen Tag, teilweise nur wenige Stunden, um sich Zugang zu verschaffen.

Skimmer greifen Kartendaten direkt beim Bezahlen ab

Die Angreifer beschränkten sich nicht darauf, bereits gespeicherte Kreditkartendaten zu stehlen. Sie manipulierten auch die Bezahlseiten von Onlineshops und schleusten dort sogenannte Web-Skimmer ein. Diese Schadprogramme arbeiten für Kund:innen weitgehend unsichtbar im Hintergrund und können Kartendaten bereits während der Eingabe beim Online-Shopping mit Kreditkarte kopieren und an die Kriminellen weiterleiten.

Bei 19 der untersuchten Angriffsziele konnte Gambit solche manipulierten Bezahlseiten eindeutig nachweisen. Gemeinsam mit einem weiteren Sicherheitsforscher entdeckte das Unternehmen anschließend mehr als 100 zusätzliche Websites, auf denen Schadcode aus derselben Kampagne aktiv war. Damit könnte der Kreis der betroffenen Onlineshops deutlich größer sein als zunächst angenommen.

Die Namen der betroffenen Unternehmen wurden bislang nicht veröffentlicht. Gambit nennt lediglich einige Branchen und Unternehmensarten. Zu den Angriffszielen gehörten demnach unter anderem ein großes US-Hotelunternehmen, eine US-Fluggesellschaft, ein Industrieunternehmen und ein Online-Modehändler.

Karteninhaber:innen können deshalb derzeit nicht anhand einer vollständigen Liste überprüfen, ob sie bei einem betroffenen Händler bezahlt haben. Grundsätzlich empfiehlt es sich, Kartenumsätze regelmäßig zu kontrollieren. Wer Anzeichen für Kreditkartenbetrug entdeckt, sollte unbekannte Abbuchungen umgehend dem Kartenanbieter melden. Besteht der Verdacht, dass die Kartendaten kompromittiert wurden, kann es außerdem sinnvoll sein, die Kreditkarte sperren zu lassen.

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Philipp Ollenschläger

Erstellt von

Parallel zu seinem Journalismus-Studium hat Philipp großes Interesse an Wirtschaftsthemen entwickelt, das sich während seiner Arbeit bei einem großen Medizin-Publisher verfestigt hat. Hier hat er sich häufig mit gesundheitsökonomischen Fragestellungen beschäftigt. Als Vielreisender kennt er schon lange die Vorteile des bargeldlosen Bezahlens. Diese Erfahrungen helfen ihm sehr bei seiner Arbeit als Autor von Ratgebern und Analysen rund um Kreditkarten.

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Zuletzt aktualisiert am 24. September 2026

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